Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums e.V.

Naga - Grabungsprojekt

 
(1995 - 2013 in Berlin, seit Ende Mai 2013 in München, siehe jetzt naga-project.com und speziell naga-project.com/.../about-this-project)
 
Am 1. Dezember 2006 gab es ein Fest in der Wüste. Nach zweitausend Jahren wurde der Amun-Tempel in Naga ein zweites Mal eingeweiht, diesmal nicht vom meroitischen König Natakamani und der Kandake Amanitore, sondern vom sudanesischen Minister für Kultur, Jugend und Sport und vom deutschen Botschafter in Khartum. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin waren anwesend, ebenso der Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Vor-sitzende des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e. V.; denn der Amun-Tempel in Naga verdankt seine Wiederauferstehung der von der DFG und vom Museumsver-ein finanzierten Arbeit eines Archäologenteams des Ägyptischen Museums Berlin.
 
Seit 1995 gräbt das international besetzte Expeditionsteam in Naga, einer der Königsstädte des Reiches von Meroe, die erstmals im späten 3. Jahrhundert v. Chr. belegt ist und ein halbes Jahrtausend lang weitab vom Nil für die Nomaden der Steppe ein politisches, religiöses und wirtschaftliches Zentrum war. Nach langen Jahren in Berlin übersiedelte das Naga-Projekt 2013 nach München an das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst. Auch weiterhin finden ein- bis zweimal jährlich Grabungen in Naga statt.
 
Berlin in Naga: Das hat Methode, denn nach der Entdeckung der antiken Stadt durch die Franzosen LINANT DE BELLEFONDS und CAILLIAUD im Jahr 1822 war es KARL RICHARD LEPSIUS, der mit der preußischen Expedition 1844 die erste wissenschaftlich exakte Dokumentation der Ruinen von Naga erstellte. Genau 150 Jahre später erhielt das Ägyptische Museum Berlin die Grabungslizenz der 'National Corporation for Antiquities and Museums'. Nichts hatte sich in Naga seit Lepsius' Zeiten verändert, und so bot sich dem Ber-liner Team die Chance, seine Arbeit in einem unberührten antiken Stadtareal von einem Quadratkilometer Fläche behutsam und nach den Regeln moderner Archäologie und Denk-malpflege zu beginnen.
 
 
Die Versuchung, gleichzeitig an den zahlreichen Ruinenhügeln von Tempeln und Palästen und an den Tumuli der die Stadt umgebenden Nekropolen Sondagen anzulegen, war groß, aber die wissenschaftliche Selbstdisziplin siegte. Die strikte Konzentration auf einen Oberflä-chensurvey des Stadtareals und die Ausgrabung des Amun-Tempels resultierte in einem Ge-samtplan der Stadt, der die Grundlage für die Grabungen der nächsten Jahrzehnte bildet, und in der Wiedergewinnung des größten Heiligtums der Stadt.
 
 
 
 
Der Amun-Tempel, auf einer künstlich angelegten Terrasse am Fuß des markanten Jebel Naga gelegen, überstrahlte mit seinen weiß getünchten Außenmauern weithin sichtbar die Stadt. Zwölf Widder bilden - unterbrochen von einer Stationskapelle - eine monumentale Zu-gangsallee (wir nennen sie manchmal Klein-Karnak). Sie waren allesamt mit ihren Podesten umgestürzt und teilweise völlig verschüttet oder vom Flugsand zugeweht, sind aber vollzählig erhalten geblieben, so dass die Widderallee in ihrem originalen Erscheinungsbild wieder auf-gebaut werden konnte.
 
Das Hypostyl hinter dem 21 m breiten und fast 10 m hohen Ziegelpylon (nur das Sandstein-portal mit seinen Reliefs und Inschriften ist erhalten geblieben) war zu Beginn unserer Gra-bung ein fast leerer Raum. Eine der acht Säulen hatte die Zeit überdauert; ihre Reliefs und me-roitischen Inschriften sind in Lepsius' 'Denkmäler[n] aus Ägypten und Äthiopien' publiziert. Fünf weitere Säulen, im Lauf der Grabung freigelegt, stehen heute wieder aufrecht. Das Berli-ner Restauratorenteam 'Restaurierung am Oberbaum', mit dem wir seit Jahren beim Wieder-aufbau des Neuen Museums zusammenarbeiten und das u. a. die Reliefs aus dem Pyramiden-tempel des Sahure und die Mastabas des Metjen, Merib und Manofer für die Präsentation im Neuen Museum vorbereitete, hat hier vorbildliche Arbeit geleistet, indem auf Rekonstruktion verzichtet und nur authentischer Bestand restauriert wurde.
 
Beim Fest am 1. Dezember 2006 gingen die Gäste auf dem antiken Sandsteinpflaster bis ins Sanktuar, dessen völlig intakter Altar jetzt aus Sicherheitsgründen in das Nationalmuseum nach Khartum verbracht wurde; in Naga selbst steht eine originalgroße Kopie. Der im Nord-hof entdeckte einzigartig bemalte Altar ist zum Schutz eingesandet. Die innen und außen mit Reliefs und Inschriften versehene rückwärtige Mauer des Sanktuars, schon in der Antike um-gestürzt, wird allerdings Block für Block im Lapidarium hinter dem Tempel liegen bleiben, um später wieder aufgerichtet zu werden.
 
Zum Abschluss der Arbeiten am Amun-Tempel wurden 2004 die unscheinbaren Reste eines kleinen Nebentempels (Naga 200) gereinigt und dokumentiert. Was als archäologische Pflichtübung begann, entwickelte sich alsbald zu einer Grabung, die uns bis 2010 beschäftigte. Bis zu 1,50 m stehen die reliefierten Wände noch aufrecht, und die verstürzten Blöcke der Tempelmauern und des Pylons tragen Reliefs, die ikonographisch, stilistisch und epigraphisch viele Überraschungen bereithalten. Aus den über 1300 Relieffragmenten kann das Bildpro-gramm des Tempels rekonstruiert werden, das enge Parallelen zum Löwentempel von Naga aufweist. Die Inschriften nennen die Namen des Bauherrn, des meroitischen Königs Ama-nikhareqerema. Bislang ins 2./3. Jahrhundert n. Chr. datiert, gehört dieser König nach Ausweis der Reliefs des Tempels Naga 200 in die unmittelbare Nachbarschaft von Natakamani, der den Löwentempel und den Amun-Tempel von Naga erbaute und wohl in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. regiert hat. Die Chronologie der meroitischen Könige ist also gründlich in Unordnung geraten.
 
Dank der Unterstützung durch den Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e. V. konnte im Herbst 2005 ein neues Teilprojekt begonnen werden: die Restaurierung des au-ßergewöhnlichsten Architekturdenkmals des antiken Sudan, des sogenannten 'Römischen Ki-osks von Naga'. In seiner Verbindung ägyptischer, meroitischer und hellenistischer Form- und Stilelemente ist dieses Bauwerk das repräsentativste Zeugnis der Rolle der meroitischen Kul-tur als Brücke zwischen der Welt des Mittelmeers und Afrika. Schon 2004 war bei Sondagen die Funktion der Kapelle als Heiligtum der Göttin Hathor festgestellt worden; nicht nur dadurch, sondern auch durch die von CLAUDE RILLY ermittelte Datierung einer Inschrift in der Kapelle ins 1. Jahrhundert n. Chr. ist die traditionelle Bezeichnung des Bauwerks in 'Hathor-Kapelle' korrigiert worden.
 
Die Bauaufnahme des höchst detailreich dekorierten Bauwerks wurde mit modernster Technik erstellt, mit einem Streifenlicht-Scanner, aus dessen Daten exakte Zeichnungen, aber auch dreidimensionale Darstellungen und Modelle der Architektur erstellt werden können (siehe unten, 3D-Ansicht Hathor-Kapelle/Kiosk). Die Konsolidierung der vom Einsturz bedrohten Ruine war die Voraussetzung ihrer vollständigen Freilegung, durch die das Bauwerk seine ur-sprünglichen schlanken Proportionen zurückerhalten hat. Für die Geschichte der antiken Ar-chitektur liegt die Bedeutung dieses kleinen Tempels darin, dass er den südlichsten Beleg hel-lenistischen Einflusses im Niltal darstellt - ein Monument eines antiken Nord-Süd-Dialogs gewissermaßen.
© Bauer Praus GbR, Gundelfinger Straße 43 A, 10318 Berlin, Germany

 

Bis 2009 wurde das Naga-Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert. Hilfe kam insbesondere auch durch den Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e. V. und durch andere private Sponsoren. Das Außenministerium unterstützte die Restaurierungsmaßnahmen an der Hathor-Kapelle in großem Umfang.

Einige der in Naga gefundenen Denkmälern sind als langfristige Leihgaben in Berlin ausge-stellt (siehe drei Reliefpaneele des Tempels 200 in Ebene 0 im Neuen Museum). Eine Sonder-ausstellung 2011 in München und Berlin, in der zahlreiche Funde der Naga-Grabungen prä-sentiert werden konnten, ist Zeugnis für die fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen dem Sudan und Deutschland.
 
Berichterstattungen über die Grabungen in Naga bis 2013 finden sich in 'aMun', dem Maga-zin für die Freunde der Ägyptischen Museen. Für die fortlaufenden Grabungen siehe jetzt naga-project.com des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, München.

Überblick

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