Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin
Präsentation des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e.V.

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Presseberichte: Artikel chronologisch

Welt online, 16.10.2009

"Jetzt beginnt eine neue Blütezeit"

Herr Parzinger, was bedeutet die Wiedereröffnung des Neuen Museums für das Gesamtprojekt Museumsinsel?

Hermann Parzinger: Das ist ein wichtiges, ein historisches Datum. Denn nach der Wiedereröffnung von Alter Nationalgalerie und Bode-Museum - beides bedeutende Ereignisse - ist nun ein Haus wiedergeboren, das Jahrzehnte nur als Ruine auf der Museumsinsel stand. Zum ersten Mal seit 1939 sind nun alle fünf Häuser - Altes Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Pergamonmuseum, Neues Museum - wieder für das Publikum zugänglich. Das war in der Geschichte der Museumsinsel überhaupt nur von 1930, als das Pergamonmuseum eröffnet wurde, bis zu den ersten Kriegsschließungen 1939 der Fall. Es beginnt also jetzt wirklich eine neue Etappe, eine neue Blütezeit, auch wenn auf der Museumsinsel noch viel zu tun ist.

Das von David Chipperfield teils neu gebaute, teils rekonstruierte Neue Museum war im Frühjahr schon einmal kurze Zeit für das Publikum offen. Welche Resonanz hat die ungewöhnliche Architektur gefunden?

Parzinger: Das fast einhellig positive öffentliche Echo hat uns alle sehr gefreut. Die Leute waren wirklich begeistert.

Wie erklären Sie sich das?

Parzinger: Diese Rekonstruktion ist etwas Einmaliges und Außergewöhnliches. Sie spiegelt die Geschichte dieses Hauses wider. Nicht jedes Haus auf der Museumsinsel kann so funktionieren. Jedes hat seinen ganz eigenen Charakter und sein eigenes Gesicht. Und wenn man jetzt sieht, wie das Neue Museum mit seinem archäologischen Restaurierungskonzept bespielt wird mit archäologischen Objekten, dann fügt sich das wunderbar zu einem harmonischen Ganzen.

Sie glauben also, dass Museumsarchitektur und Objekte nicht miteinander konkurrieren?

Parzinger: Wir haben uns am Anfang diese Frage gestellt. Wird die Architektur die Objekte dominieren, oder werden die Objekte die Architektur in den Hintergrund drängen? Ich kann nur sagen: Es fügt sich alles sehr gut zusammen. In vielen Fällen ist es gelungen, eine direkte Verbindung zwischen Raum und Objekt herzustellen.

Was sind die nächsten Schritte auf der Museumsinsel? Zwar sind alle Häuser zugänglich, doch fehlt auch noch einiges, vor allem die James-Simon-Galerie als Eingangsbereich.

Parzinger: Zunächst einmal wird Ende des Jahres der Kolonnadenhof zwischen dem Neuen Museum und der Alten Nationalgalerie fertig. Der nächste große Sprung ist dann nächstes Jahr die Grundsteinlegung für die James-Simon-Galerie, die bis 2013 entstehen wird. Das zentrale Eingangsgebäude ist für Angebote zur Orientierung und Information des immer zahlreicher werdenden Publikums unerlässlich. Die Galerie wird aber auch Flächen bieten für Sonderausstellungen und Veranstaltungen, für einen Museumsshop und nicht zuletzt für Erfrischungs- und Ruhemöglichkeiten für die Besucher auf dem Standard, der bei großen internationalen Museumskomplexen erwartet werden kann.

Wie geht es beim Alten Museum und beim Pergamonmuseum weiter?

Parzinger: Die Sanierungen der beiden Häuser sind dann die nächsten Schritte. Beim Pergamonmuseum werden wir das Flügel für Flügel machen, damit das Haus nie ganz geschlossen werden muss. Die Bauarbeiten beginnen 2013 beim Nordflügel und werden etwa 15 Jahre dauern. Geplant ist ein vierter Flügel am Kupfergraben, in dem die ägyptische Architektur aufgebaut wird. Dann ist ein vollständiger Rundgang zur Architektur der Antike möglich - weltweit einmalig. Parallel wollen wir mit der Sanierung des Alten Museums beginnen und die Museumshöfe weiter bauen.

Was wird mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kunst, die in der Gemäldegalerie am Kulturforum ausgestellt ist, aber eigentlich auf die Museumsinsel gehört, wo ja die gesamte abendländische Kultur bis zum Beginn der Moderne gezeigt werden soll? Michael Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, hat angedeutet, dass es auf absehbare Zeit beim Standort Kulturforum bleiben werde und alle Pläne für eine Rochade und einen Galeriebau jenseits der Spree auf Eis lägen.

Parzinger: Stand der Dinge ist, dass zum Gelände gegenüber dem Bode-Museum ja schon vor Jahren ein städtebaulicher Ideenwettbewerb stattgefunden hat. Doch im Finanzierungsplan für die Museumsinsel ist der Galeriebau noch nicht enthalten. Das wird sicherlich noch einige Jahre dauern. Unser langfristiges Ziel ist die Zusammenführung von Malerei und Skulptur.

Das alles ist aber noch ferne Zukunftsmusik?

Parzinger: Wir haben langfristige Ziele und kurzfristige Realisierungsschritte. Dazu gehört auch, die aktuelle Situation am Kulturforum zu verbessern. Der städtebauliche Bereich dort muss attraktiver gestaltet werden. Hier ist in erster Linie das Land Berlin gefordert. Die Stiftung wird ihre dort ansässigen Institutionen - die verschiedenen Museen, die Staatsbibliothek, das Ibero-Amerikanische Institut, das Staatliche Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumenten-Museum - besser vernetzen müssen. Aber auch die anderen Anlieger werden wir einladen, zu einer gemeinsamen Markenbildung 'Kulturforum' beizutragen. Man kann eine Menge tun, was nicht gleich mit großen Baumaßnahmen verbunden ist.

Der Masterplan Museumsinsel ist das eine große Projekt der Bundeskulturpolitik und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Humboldt-Forum im wieder aufgebauten Stadtschloss soll zeitlich parallel entwickelt werden. Nun hat die Vergabekammer des Bundeskartellamts das Ergebnis des Architekturwettbewerbes wegen Formfehlern für ungültig erklärt.

Parzinger: Wir sind natürlich nicht glücklich über diese Situation. Seit fast zwei Jahren entwickeln wir ein Konzept für das, was im Humboldt-Forum einmal stattfinden soll. Seit neun Monaten arbeiten wir eng und äußerst konstruktiv mit Franco Stella, dem Sieger des Wettbewerbs, an der Feinabstimmung der inneren Struktur des Gebäudes. Wir sind mit den Ergebnissen und der Art der Zusammenarbeit sehr zufrieden und hoffen, dass möglichst bald eine Entscheidung fällt.

Wie könnte der Verfahrensfehler geheilt werden?

Parzinger: Hier ist das Bundesbauministerium gefragt. Unser eindeutiges Juryergebnis für den Stella-Entwurf ist von der Vergabekammer jedenfalls ausdrücklich nicht infrage gestellt worden.

Eckhard Fuhr

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Letztes Update: 23.08.10

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